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Die 11 wichtigsten Fragen und Antworten zur Initiative

1. Was sind Fallpauschalen?
Für jede genau definierte Erkrankung und ihre Behandlung im Rahmen stationärer Klinikaufenthalte sind bestimmte pauschale Beträge festgelegt, die die Klinik erstattet bekommt: die Fallpauschalen. Sie werden unabhängig von der Verweildauer der Patienten in der Klinik gezahlt.

Kalkuliert werden diese Fallpauschalen, indem die Bandbreite an Verweildauern bei der entsprechenden Erkrankung in verschiedenen Krankenhäusern ermittelt wird. Zur Kostenerstattung wird dann die mittlere Verweildauer aus dieser Bandbreite herangezogen.

2. Was ist das Problem mit den Fallpauschalen?
An deutschen Universitäts-Kinderkliniken und weiteren Kinderkliniken der Maximalversorgung herrscht akuter finanzieller Notstand. Denn dort sammeln sich aufgrund der hohen medizinischen Qualifikation teure Schwerst- und Spezialfälle. Aber: die komplexen Behandlungen werden aufgrund der geltenden Fallpauschalen nur zu einem geringen Teil erstattet. Der Rest muss von den Kliniken selbst getragen werden.

Die Folgen: Die Behandlung und Pflege aller Kinder verschlechtert sich, da die Kliniken dazu gezwungen sind, die entstehenden Millionendefizite durch Einsparungen im laufenden Betrieb, wie den Stellenabbau bei Ärzten und Pflegepersonal, auzugleichen.

3. Das Problem liegt doch auf der Hand. Warum reagiert die Politik nicht?
Das Problem scheint in Teilen von der Politik wahrgenommen. Ein erster Schritt sind der Versorgungszuschlag und die Analyse der Extremkostenfälle bis zum Ende des Jahrtes 2014, die am 14. Juni 2013 im Bundestag beschlossen wurden. Jedoch reichen diese Maßnahmen bei Weitem nicht, um die an deutschen Universitäts-Kinderkliniken in den letzten Jahren entstandenen und entstehenden Defizite zu decken.

Hochleistungsmedizin für schwerstkranke Kinder lässt sich nicht pauschal regeln und – die Kinder sind heute krank.

4. Im Juni 2013 gab es doch eine Finanzspritze für die deutschen Kliniken. Reicht das nicht?

Ein erster Schritt sind der Versorgungszuschlag und die Analyse der Extremkostenfälle, die am 14. Juni 2013 im Bundestag beschlossen wurden. Jedoch reichen diese Maßnahmen bei Weitem nicht, um die an deutschen Universitäts-Kinderkliniken in den letzten Jahren entstandenen und entstehenden Defizite zu decken. So ist es mittlerweile leider die Regel, dass Pflege- und Arztpersonal über Eltern- und Fördervereine mitfinanziert werden.

5. Sind die Fallpauschalen allein für die Finanznot der Universitäts-Kinderkliniken verantwortlich?

Nein, nicht nur. Es gibt eine Reihe von Gründen, dass die Kliniken trotz massiver Sparmaßnahmen finanziell ins Defizit rutschen: so haben z.B. viele Kliniken das Problem, dass ihnen zu wenig Investitionsmittel zur Verfügung stehen, um ihre Bauten sowie ihre Betriebs- und Medizintechnik zu sichern. Für die Investitionsmittel sind nach dem Prinzip der dualen Finanzierung in Deutschland die Bundesländer zuständig.
Außerdem werden ambulant erbrachte Leistungen in der Regel deutlich zu niedrig vergütet. Dem Gesetz nach sind die Hochschulambulanzen nur für Forschung Lehre zuständig. Weil es aber für einige chronische Erkrankungen zu wenig niedergelassene Mediziner gibt, werden diese Patienten oft von den Uni- und Spezialkliniken versorgt.

6. Warum haben Universitäts-Kinderkliniken höhere Kosten?

Die Universitätskliniken sind Krankenhäuser der höchsten Versorgungsstufe. Hier werden alle Möglichkeiten der Hochleistungsmedizin angeboten und es gibt einen deutlichen höheren Anteil an so genannten Extremkostenfällen. Dies sind Fälle mit einer besonders aufwändigen Behandlung und oft längerer Verweildauer in der Klinik. Daneben haben die Unikliniken einen höheren Aufwand in der Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen.

7. Betreffen die Forderungen auch andere Kinderkliniken der Maximalversorgung?

Die Initiative „Ich bin keine Fallpauschale*“ entspringt unseren persönlichen Erfahrungen mit den Auswirkungen der Finanznot an Universitäts-Kinderkliniken.  Wir wissen, dass andere Kinderkliniken der Maximalversorgung ebenfalls davon betroffen sind. Zusammen mit diesen fordern wir für die Schwerst- und Spezialfälle umgehend eine faire und kostendeckende Vergütung, die sich am tatsächlichen Behandlungs- und Pflegeaufwand orientiert. 

8. Wird bei der Berechnung der Fallpauschale die besondere Situation der Krankenhäuser berücksichtigt?

Die Fallpauschalen werden vom Grundsatz her zunächst unabhängig davon gezahlt, wie sich die Kosten in den einzelnen Kliniken darstellen. Alle Krankenhäuser erhalten für eine bestimmte Diagnose die gleich Pauschale.

9. Wie sollte eine Ausnahmeregelung denn genau aussehen?

Gegenwärtig werden verschiedene Lösungen diskutiert, darunter die Forderung des Verbands der Universitätsklinika in Deutschland (VUD): Danach soll ein Sonderfonds von etwa 1,2 Milliarden Euro pro Jahr gestellt werden. Das Geld dafür soll sowohl aus Mitteln der Krankenkassen als auch von Wissenschaftsseite getragen werden. Nach einem Fondsprinzip sollen die Gelder dann leistungsorientiert an die einzelnen Universitätskliniken für ihre Hochleistungsmedizin verteilt werden.

10. Wie kann ich mich persönlich für die Initiative einsetzen?
Es gibt viele Möglichkeiten, die Initiative „Ich bin keine Fallpauschale*“ zu unterstützen. Alle Mitmach-Angebote finden Sie hier.

11 Wer steckt hinter dieser Initiative?
„Ich bin keine Fallpauschale*“ ist eine Initiative von Eltern und Klinikpersonal für kranke Kinder der Universitäts-Kinderkliniken. Angestoßen von 13 Eltern- und Fördervereinen sowie 2 Stiftungen, die sich in Tübingen für schwer kranke Kinder und Jugendliche engagieren. Mehr unter Initiatoren

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